hvvlogosw

Heimat- und Verkehrsverein (HVV)
 63785 Obernburg am Main

Inhaltsverzeichnis

Startseite

Vereinsziele, Vorstand

Vereinsgeschichte

Obernburger Geschichte/n

Römische Geschichte/n

Bauwerke und Gebäude

Persönlichkeiten

Mundart

Aktivitäten

Tanz- und Kostümgruppe

Links

Impressum

Beitrittserklärung

banner_hvv

Johannes Obernburger

Johannes Obernburger wurde um 1500 in Obernburg als Sohn einer privilegierten Familie mit dem Namen Schmidt geboren. Später übersetzte er diesen nach Brauch der Gelehrten ins Latein = Fabri. Als er jedoch die große Bühne der Weltpolitik betrat musste er feststellen, dass diese voll mit Johannes Fabris und Hans Schmidts war. So nannte er sich nach seiner Heimatstadt, was ihn in der Welt einmalig machte. Durch seine Arbeiten wurde dann der Name Obernburger weithin bekannt.

Nach Schule und Theologiestudium trat er 1522, drei Jahre nach der Kaiserwahl Karls V. und ein Jahr nach dem Wormser Edikt, der Ächtung Luthers durch Karl V., als Schreiber in die deutsche Reichskanzlei ein. Diese Behörde reiste mit Karl V. und seinem Hof durch dessen Reiche in ganz Europa und begleitete ihn auch auf seinen zahlreichen Feldzügen. Obernburger war in der großen Welt angekommen. Spuren von ihm wurden aus Valladolid, Madrid, Tunis, Rom, Cremona, Brüssel, Gent, Löwen u.v.a. gefunden.

Mit den Jahren stieg der einfache Schreiber in der Reichsbehörde auf. In Spanien wurde er 1524 als Registrator geführt. 1532 avancierte er beim Reichstag in Regensburg zum Sekretär, spätestens 1537 zum leitenden Sekretär der Kanzlei. In dieser Funktion wurde er das Bindeglied von der Ebene der Verwaltung, die ihm unterstand, zur Ebene der Räte, die die politischen Entscheidungen traf. In der Amtshierarchie folgte er damit auf Kaiser, Kanzler und Reichsvizekanzler. Da er zu manchen Zeiten der einzige Deutsche in den ersten Regierungsrängen war, wurde er für alle Belange aus dem Reich zu einem wichtigen Ansprechpartner. Sein Einfluss wurde immer größer. So verlas er bei den Reichstagen in Deutschland die Punkte, die der Kaiser auf die Tagesordnung gesetzt hatte.

Obernburger stand in seinem Amt inmitten der heftigen, auch mit militärischen Mitteln geführten Auseinandersetzungen der Reformation. Auf der Seite des Kaisers profitierte er von dessen Siegen über die Protestanten im Schmalkaldischen Krieg 1546/47, er erlebte jedoch auch den Beginn des Scheiterns Karls V. an den religiösen Konflikten. Obernburger starb am 23. Juni 1552 in Villach, drei Jahre vor dem Augsburger Religionsfrieden und vier Jahre vor der Abdankung des Kaisers. Obernburger war somit über 30 Jahre in der deutschen Reichskanzlei Kaiser Karls V. tätig und hat den Kaiser damit nahezu durch dessen ganze Regentschaft begleitet. Man kann also zu Recht behaupten, dass mehrere Jahrzehnte deutscher Geschichte über sein Schreibpult liefen.

Korrespondenzen Obernburgers sind u. a. überliefert mit dem Haus Fugger und mit zahlreichen Fürsten und Bischöfen des Reiches. Dokumentiert sind überdies Briefwechsel und Kontakte mit den bekannten Reformatoren Martin Bucer und Philipp Melanchthon. Zeitlebens pflegte Obernburger enge Verbindungen zum Mainzer Domkapitel und zur Reichsstadt Nürnberg. Er hatte im gesamten Reich etliche Kirchenämter inne. Das wohl lukrativste Amt erlangte er 1551 mit der Propstei am Stift St. Bartholomäus in Frankfurt (Dom).

 

In vielen Obernburger Familienalben   findet sich sicher das Foto eines  Festzuges aus dem Jahre 1952  (400. Todestag). Johannes Obernburger (Otto Elbert) thront dort, gekleidet als hoher Geistlicher, umgeben von Dienerschaft, hoch auf einem Festwagen.

Dieses Bild kann aber heute nicht glaubhaft weitergezeichnet werden, denn das Leben Obernburgers hatte wenig Triumphales. Man muss sich vielmehr einen hohen Verwaltungsbeamten vorstellen, der einen gewissen politischen Einfluss besaß und auch ausübte. Obernburger hat seine Kirchenämter nie praktisch versehen; diese waren vielmehr kaiserliche Einkommensbeihilfen. Die politische Bedeutung Obernburgers lässt sich am besten an der Höhe der halblegalen Zuwendungen ablesen, die er von allen Ständen des Reiches entgegennahm. Vieles von dem, was man ihm zuspricht, hat nach neueren Forschungen Obernburger gar nicht geleistet hat. Zugleich wurde aber in den bisherigen Veröffentlichungen auch einiges übergangen, z. B. sein Töchterlein Barbara.

Die Familie Obernburger
Obernburger sorgte auch dafür, dass seine Familie von seinem Aufstieg profitierte. Sein Neffe Peter z.B. wurde unter Kaiser Maximilian II. Reichshofsekretär und stieg unter Kaiser Rudolf II. sogar zum Reichshofrat auf. Nimmt man seinen Neffen Peter Obernburger noch hinzu, haben diese beiden etwa 50 Jahre lang für drei verschiedene Kaiser Urkunden und Briefe unterzeichnet. Man findet den Namen und die Heimatstadt dieser Beamtensippe in jedem größeren Archiv und in jeder größeren Bibliothek.

Nach dem jetzigen Stand der Forschung ist die Stiftung der Freischule für Obernburger Kinder durch Johannes Obernburger mit vielen Fragezeichen zu versehen. Wahrscheinlicher ist es, dass er seinen Familienangehörigen genügend Mittel hinterließ und diese dann die Stiftung vornahmen. So trägt, wenn auch indirekt, die Grund- und Hauptschule in Obernburg zu Recht seinen Namen. An den berühmten Obernburger Bürger erinnert die Johannes-Obernburger-Straße, die in Höhe der Stadthalle von der Jahnstraße abzweigt.

Über Leben und Wirken von Johannes Obernburger führt Eric Erfurth ein Forschungsprojekt durch. Die Initiative dazu ging von Günther Koch, einem gebürtigen Obernburger aus. Ziel von Erfurth ist es, ein Buch über die gesamte Lebensgeschichte Johannes Obernburgers mit allen Hintergründen herauszubringen, das in der Fachwelt bestehen kann. Dieser Bericht basiert auf den genannten Recherchen.

Eric Erfurth/Bearbeitung Heinz Janson

   

Für die folgende, in Obernburg verbreitete, Aussage liegt kein urkundlicher Beleg vor:
Elf Jahre nach seinem Tod ließ der Stadtrat in Erinnerung an seine Stiftung an seinem Elternhaus in der Römerstraße 26 eine Sandsteinbüste mit Portraitcharakter anbringen. Sie ist heute noch, wenn auch verwittert, am Textilhaus Vad, das an der Stelle seines Elternhauses neu erbaut wurde, zu sehen.

Dr. Werner Trost schreibt dazu im Main-Echo vom 3.1.2013: “Die Jahreszahl 1663 (und nicht 1563, wie oft behauptet wird) ist auf der Sandsteinbüste Johannes Obernburgers (gestorben 1552) an dessen Geburtshaus in der Obernburger Hauptstraße zu sehen. Die Figur, die sicherlich bald nach dem Tod des Geheimsekretärs Kaiser Karls V. geschaffen worden ist, wurde wohl nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Kriegs in den Neubau des Elternhauses integriert und mit der Jahreszahl 1663 versehen.”

Epitaph der Gebrüder Johannes und Peter Obernburger
Mit dem Grabmal der Brüder Johannes und Peter Obernburger befindet sich im Turmdurchgang der Obernburger Stadtpfarrkirche ein einzigartiges Zeugnis dieser Familie. Der Stein dokumentiert einen außergewöhnlichen Lebensweg der Renaissancezeit, der in Obernburg begann, im die Welt führte und wieder in Obernburg endete. Das Grabmal ist künstlerisch wie historisch äußerst wertvoll und stellt ein Prunkstück in der Geschichte der Stadt dar.

JOB Grabmal alt an Außenwand Kirche
JOB 2012 im Kirchturmdurchgang

Der Renaissancegrabstein, der das Grab von Johannes und seinem Bruder Peter zunächst in der Pfarrkirche schmückte, wurde beim Erweiterungsbau des Gotteshauses 1890 an die Außenmauer des Chores verlegt (Bild links) und beim Neubau der heutigen Pfarrkriche 1964 in den Kirchturm versetzt (Bild rechts). Im Jahr 2008 wurde der Epitaph mit einem größeren Zuschuß des Heimat- und Verkehrsvereins restauriert. Gleichzeitig wurden zwei Texttafeln angebracht. Auf der einen Tafel ist kurz der Hintergrund für die Aufstellung des Grabsteins erklärt, auf der zweiten Tafel wird der lateinische Text übersetzt.

Tafel mit der Hintergrundinformation

Epitaph der Gebrüder Johannes und Peter Obernburger
Johannes Obernburger, 1486 in Obernburg geboren, starb am 23. Juni 1552 als Gouverneur von Kärnten. Er war Dr. beider Rechte, geheimer Sektretär Kaiser Karls des V., Kantor am St. Stephansstift zu Mainz, kaiserlicher Kaplan und Probst am kaiserlichen Krönungsstift St. Bartholomäus zu Frankfurt.

Er stiftete die Obernburger Freischule. Am 24. Juni 1561 übergaben seine Geschwister den Gründungsbrief und das Stiftungskapital.

Peter Obernburger starb am 16. März 1552 als Amtsvorstand der kaiserlich mainzischen Registratur.

Beide wurden in der Pfarrkirche von Obernburg bestattet.

Der Renaissancegrabstein wird vom Adelswappen bekrönt, das Kaier Karl V. seinem Intimus verliehen hat.

 

Tafel mit dem übersetzten Text

Sei gegrüßt, Wanderer, bleib bitte ein wenig stehen um zu sehen, wessen Asche und Gebeine in diesem Grab ruhen. Es ist jener Johannes Obernburger, zeit seines Lebens berühmt wegen seiner Gottesfurcht, Lauterkeit, Würde, Klugheit und seines Könnens. Er war Kaiser Karls V. ergebener zuverlässiger Berater und Geheimsekretär. Zwar gehörte er seit seiner Jugend dem Hofe an, wies aber trotzdem jede Ehre und einflußreiche Stellung mit Nachdruck von sich. Nach bedeutenden und ruhmvollen Diensten (für den Kaiser) wollte er sich Freunden und einem angenehmeren und freieren Leben widmen. In Villach in Kärnten hatte er das Amt eines Gouverneurs übernommen, als es um das Reich noch besser stand und es durch schändliche Aufstände und die französischen Intrigen noch nicht ins Wanken geraten war. Dieses Amt hat er durch einen schrecklichen Schicksalsschlag zusammen mit seinem Leben verloren und er hat so die Plagen dieses Lebens mit der Ruhe des ewigen vertauscht und er starb zum größten Leid seines Kaisers und all seiner guten Freunde am 23. Juni 1552.

Nachdem seine Gebeine dem heimatlichen Boden zurückgegeben waren, setzen die zu Recht trauernden Erben dem geliebten Bruder aus Pietät diesen Grabstein.

Ich, Peter, einst meinem Bruder sehr ergeben, konnte ihn auch nicht für eine kurze Zeit überleben und liege nun ebenfalls hier. Oh, ihr Nachkommen und Gattin, lebt wohl! Dir, göttlicher Karl, wünsche ich ein langes Leben, ich, der ich der Amtsvorstand der kaiserlich mainzischen Registratur war. Unbedeutender als mein berühmter Bruder, möge auch mir der Himmel auf meine Bitten hin gewogen sein, denn zu Lebzeiten pflegte mich dein süßes Lied zu erfreuen. Er starb im Jahre unseres Herrn und Erlösers am 16. März 1552.